Bruxismus Ursachen: Warum knirschen wir mit den Zaehnen?

Die vollstaendige Uebersicht aller bekannten Ursachen und Risikofaktoren fuer Zahneknirschen - wissenschaftlich fundiert.

11 min LesezeitJanuar 2025

Bruxismus ist multifaktoriell

Die moderne Forschung betrachtet Bruxismus nicht mehr als einzelne Erkrankung mit einer einzelnen Ursache. Stattdessen handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem verschiedene Faktoren zusammenwirken. Das biopsychosoziale Modell unterscheidet zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Einflussfaktoren.

1. Psychische und emotionale Faktoren

Stress, Angst und psychische Belastung sind die am haeufigsten genannten Risikofaktoren. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen erhoehten Cortisol-Werten im Speichel und naechtlichem Bruxismus. Perfektionismus, unterdrueckter Aerger und hohe Leistungsansprueche erhoehen das Risiko ebenfalls. In einer Meta-Analyse von 2020 wurde festgestellt, dass Personen mit hohem Stresslevel ein 2,5-fach erhoehtes Bruxismus-Risiko haben.

2. Schlafstoerungen

Naechtlicher Bruxismus tritt gehaueft in Verbindung mit Schlafstoerungen auf, insbesondere mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA), Schnarchen und periodischen Beinbewegungen im Schlaf (PLMS). Die Bruxismus-Episoden treten typischerweise waehrend des Wechsels zwischen Schlafphasen auf, besonders beim Uebergang von Tiefschlaf zu leichtem Schlaf. Die Forschung deutet darauf hin, dass Micro-Arousals (kurze Weckreaktionen) als Trigger fuer Knirschen dienen.

3. Genetische Veranlagung

Zwillingsstudien belegen eine erbliche Komponente des Bruxismus. 21-50% der Bruxismus-Betroffenen haben mindestens ein Familienmitglied mit der gleichen Problematik. Bestimmte Gene, die Serotonin- und Dopamin-Rezeptoren kodieren, werden als moegliche genetische Risikofaktoren untersucht.

4. Okklusale Faktoren (Zahnfehlstellungen)

Die fruehe Zahnmedizin sah Zahnfehlstellungen als Hauptursache fuer Bruxismus. Heute wird diese Ansicht differenzierter betrachtet. Waehrend starke Okklusionsstoerungen Bruxismus beguenstigen koennen, gilt der rein okklusal bedingte Bruxismus als selten. Die meisten Experten betrachten okklusale Faktoren heute eher als modulierende denn als ursaechliche Faktoren.

5. Substanzen und Medikamente

Verschiedene Substanzen koennen Bruxismus ausloesen oder verstaerken: Koffein in hohen Dosen (mehr als 400 mg/Tag), Alkohol (besonders abendlicher Konsum), Nikotin, bestimmte Antidepressiva (insbesondere SSRI wie Fluoxetin und Sertralin), Amphetamine und Stimulanzien sowie MDMA (Ecstasy). Bei medikamenteninduziertem Bruxismus sollte in Absprache mit dem Arzt die Medikation angepasst werden.

6. Neurologische Faktoren

Die zentralnervoese Regulation der Kaumuskulatur spielt eine wichtige Rolle. Stoerungen im dopaminergen System, Veraenderungen in den Basalganglien sowie neurologische Erkrankungen wie Parkinson werden mit Bruxismus in Verbindung gebracht. Die Forschung zu diesen Zusammenhaengen ist noch aktiv und bietet Ansaetze fuer zukuenftige Therapien.

Haeufige Fragen zu Bruxismus-Ursachen

Was ist die Hauptursache fuer Bruxismus?

Es gibt nicht eine einzelne Hauptursache. Bruxismus ist multifaktoriell bedingt. Die haeufigsten Faktoren sind Stress und psychische Belastung, Schlafstoerungen, genetische Veranlagung sowie Fehlstellungen der Zaehne.

Kann Stress Zahneknirschen ausloesen?

Ja, Stress ist einer der am besten belegten Risikofaktoren fuer Bruxismus. Unter Stress erhoehen sich Cortisol-Spiegel und Muskelspannung, was naechtliches Zahneknirschen beguenstigt.

Ist Bruxismus vererbbar?

Studien zeigen eine genetische Komponente. Kinder von Bruxismus-Betroffenen haben ein 1,8- bis 3,5-fach erhoehtes Risiko, ebenfalls Bruxismus zu entwickeln.

Welche Medikamente koennen Zahneknirschen verursachen?

Bestimmte Antidepressiva (SSRI), Amphetamine, MDMA sowie uebermassiger Koffein- und Alkoholkonsum werden mit erhoehtem Bruxismus-Risiko in Verbindung gebracht.

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